Freunde des Wiligrader Schlosses e.V.
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Das Schloss - Baustruktur, Fassade, Backstein

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Schloss Westseite mit Rosengitter vornDas Schloss Wiligrad Westseite mit Löwe und Rosengitter vornEingebettet in große Waldungen am westlichen Steilufer des Schweriner Sees, nur wenige Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Schwerin, liegt das Schlossensemble Wiligrad. Das Schloss wurde 1896-1898 durch Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg erbaut.

Am 30.03.1898 veröffentlichte das großherzogliche Mecklenburgische Ministerium des Innern im Regierungsblatt die Mitteilung, dass „dem, auf der Feldmark Zickhusen im Großherzoglichen Haushaltsforste erbauten Schlosse, mit Zubehör der Name „Schloss Wiligrad" beigefügt worden ist."

Mit der Bestimmung des Namens „Wiligrad" stellte der Bauherr einen Bezug zur ältesten Geschichte Mecklenburgs her. Der slawische Ursprung des Wortes, zusammengesetzt aus „Weliki" und „Grad", kann mit „Grosse Burg" übersetzt werden.

Vorgeschichte

Anmerkung:

Seit der Zeit Karls des Großen (um das Jahr 800 herum) gehörte das Land der Obotriten zum Einflussbereich des Fränkischen und nachfolgend des Deutschen Reiches.

Nachdem der erste Deutsche Kaiser "Otto der Große" (I.) im Jahre 955 auf dem Lechfeld bei Augsburg die Ungarn vernichtend geschlagen hatte, zog er mit seinem erprobten Heer nach Norden und traf an der Recknitz auf die Heeresmacht der aufständischen, zu dieser Zeit verbündeten Stämme der Obotriten und Wilzen. Das vereinigte Slawenheer wurde von den Kriegern Ottos des Großen besiegt.

Der Fürst der Obotriten - namens Nakon - und ein geringer Teil des Stammesadels unterzogen sich daraufhin der christlichen Taufe. Die Nakoniden (als christlich-obotritisches Fürstengeschlecht) herrschten danach im Obotritenland bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1127. Die Herrschaftszeit der Nakoniden wurde mehrfach durch Aufstände ihrer heidnisch gebliebenen Bauern unterbrochen, zumeist angeführt von ihren heidnischen Priestern oder heidnisch gebliebenen Kleinadligen.

Nachdem der jüdische Kaufmann Ibrahim ibn Jacub im Jahre 965 das Obotritenland besucht hatte, beschrieb er auch die Hauptburg des christlich-obotritischen Fürstengeschlechtes, die damalige Burg Wiligrad - aus der später die "Mecklenburg" hervorging.

Die Namenswahl Wiligrad - durch den Herzog Johann Albrecht - kann somit auch als eine Erinnerung an das Fürstengeschlecht der christlich-obotritischen Nakoniden verstanden werden, die während der längsten Zeit - ihrer unterbrochenen Herrschaftsperioden - in Treue zum Deutschen Reich gestanden haben.

Der Architekt Prof. Albrecht Haupt aus Hannover, entwarf für Herzog Johann Albrecht (1857 – 1920) die Pläne für das Schlossensemble. Das Schloss Wiligrad gilt als jüngster Schlossbau in Mecklenburg.

Er griff dabei mit recht hoher Wahrscheinlichkeit auf Anregungen des kaiserlichen Hofarchitekten Ernst Ihne aus Berlin zurück, der kurz zuvor zwei ähnliche Landsitze wie Schloss Wiligrad (Schloss Friedrichshof in Kronberg/Taunus und Landhaus Mendelssohn in der Villenkolonie Berlin-Grunewald) entworfen und gebaut hatte.

Das Schloss Wiligrad gilt als jüngster Schlossbau in Mecklenburg.